Die Macht der Gedanken

Die Macht der Gedanken


Henry K. Beecher war der Erste, der 1955 in "The Powerful Placebo" über den Placebo-Effekt geschrieben hat. Der Begriff Placebo stammt aus dem lateinischen und beschreibt eine Substanz oder Behandlung ohne nachgewiesene medikamentöse oder therapeutische Wirkung. 
 Der Placebo-Effekt ist ein Phänomen, bei dem sich der Zustand des Teilnehmers ausschließlich aufgrund von Wahrnehmungen, Erwartungen und Gefühlen verbessert. 

 Heute erforschen Wissenschaftler auf der ganzen Welt die Macht des Gedankens, seine Auswirkungen und deren Nutzen und Verwendung für Heilung und Entwicklung. 

 Ein führender Forscher auf diesem Gebiet ist Dr. Amir Raz, kanadischer Forschungsleiter in der kognitiven Neurowissenschaft der Aufmerksamkeit, der zahlreiche Studien durchgeführt hat. 

 Innerhalb seiner Studien wurden verschiedene Experimente durchgeführt. Unter Anderem wurde die Wirkung von Alkohol auf den menschlichen Organismus getestet. Der Teilnehmer war im festen Glauben an einem Experiment über die Auswirkung von Alkohol teilzunehmen. Mit einem Scanner wurde während des gesamten Experimentes seine Gehirnaktivität überwacht. Was der Proband nicht wusste, war, dass ihm statt Gin Tonic in Wirklichkeit Wasser und Tonic verabreicht wurden. Getränk nach Getränk zeigte der Gehirn Scan die typische Gehirnaktivität eines Menschen unter Alkoholeinfluss. Auf körperlicher Ebene war er schwindlig, albern, seine Sprache wurde zunehmend verwaschen und undeutlich, bis hin zu Wortfindungsstörungen. 

 Nachdem er vier Gläser Wasser und Tonic getrunken hatte, wurde er gebeten zu laufen. Er konnte kaum gerade gehen und fühlte sich schwach. 
 Nachdem das Experiment beendet war, informierte Dr. Raz den Studenten über den Inhalt des Experiments und dass er tatsächlich keinen Alkohol konsumiert hatte. Fast sofort konnte der Proband wieder deutlich sprechen und die Symptome des vermeintlichen "Alkoholkonsums" waren wieder verschwunden. 

 Hat die Erinnerung, betrunken zu sein, dazu geführt, dass der Proband unbewusst ähnliche Erwartungen an seinen Körper hatte und entsprechend reagierte? Waren die Suggestionen von Dr. Raz ausreichend, um diese Erfahrungen zu machen? Oder gab es andere Reize? 
 Es sind die Erwartungen, der Glaube und die Suggestionen, die schließlich die Körperchemie beeinflussen und Prozesse in Gang setzen, die der realen Wirkung von Alkohol entsprechen.


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Jeder Mensch konstruiert seine eigene Wirklichkeit (Wirklichkeit = das was sich in meinem Leben auf mein Handeln auswirkt) . 

Ein junger Student ist zu einer Hochzeitsfeier eingeladen und bemerkt unter den Gästen eine für Ihn äußerst attraktive junge Frau. Er möchte Sie unbedingt kennenlernen. Da er etwas schüchtern ist, braucht er eine Weile um sich ein Herz zu fassen. Mutig geht er zu Ihr hin und beginnt ein Gespräch. Die junge Frau ist sehr verdutzt und wirft Ihrer Freundin einen fragenden Blick zu. Der junge Mann nimmt diesen Blick auf, bekommt einen roten Kopf, entschuldigt sich und taucht schnell in wieder der Menge unter. 
  
 Wie hat der junge Mann die Situation gedeutet? 
 Was hat Ihn dazu bewogen, eine Abwertung wahrzunehmen? 
 Kann er sich wirklich sicher sein, das er den Blick der Dame richtig gedeutet hat? 
  
 Unsere ureigene Vorstellungskraft ist so schnell darin, Geschehnisse zu interpretieren und eine bestimmte Bedeutung zu geben. Dadurch haben wir das Gefühl, das Gesehenes und Bedeutung tatsächlich eins sind. Weil unsere die Vorstellungskraft so unfassbar schnell ist, haben wir das Gefühl, dass die Welt tatsächlich so ist, wie wir sie erleben. 
  
 Und wir übersehen dabei, dass dasjenige, was wir objektive Welt nennt, auf grundlegender Ebene nur ein Konstrukt unserer Vorstellungskraft ist. Nämlich ein Konstrukt von Bedeutungszusammenhängen, die wir uns angeeignet haben und an die wir glauben. Diese beruhen auf unseren Erfahrungen und werden bei kleinsten Übereinstimmungen von unserem Gehirn immer gleich gedeutet und interpretiert. Wir reagieren im Endeffekt nie auf die Welt an sich, sondern stets auf unsere eigenen Reaktionen. So reagiert der Mann in Wirklichkeit nicht auf den verdutzten Blick der Frauen mit Flucht, sondern auf seine eigene Interpretation, der Bedeutung die er diesen Blick gibt. Ändern wir diese gewohnheitsmäßigen Bedeutungen, dann ändern wir zugleich auch unsere Welt. Würde er diesen Blick anders deuten, oder ihm gar keine Bedeutung beimessen, dann wäre er wahrscheinlich im Gespräch geblieben. Und wer weiß, was sich daraus hätte entwickeln können.


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